Christoph Ernst – Kunst statt Hollywood

Der Krimi-Autor Christoph Ernst ist viel herumgekommen. Er studierte in Hamburg und New York, arbeitete als Journalist und Dozent. Heute unterrichtet er kreatives Schreiben und betreut () die Schriftstellergruppe “Blut und Feder”. Seine Krimis – nicht von der Stange. Detailliert recherchiert, oft mit historischen Bezügen, realistisch und wie seine Leser sagen, “sie verweigern sich dem Hollywood-Diktum von der allumfassenden, zum Kahlschlag ansetzenden Gerechtigkeit: Mehr als ein kleines Glück ist nie drin, ganz wie im richtigen Leben.”

Wir werden bei der Krimiwoche noch mehr über seinen besonderen Schreibstil aus der Richtung “Neo-Noir” erfahren. Jetzt wollen wir euch Christoph Ernst schon mal vorab vorstellen und haben ihm ein paar Fragen gestellt.

Name: Christoph Ernst

Wohnort: Norddeutsche Provinz und die Freie und Hansestadt Hamburg

Autor seit: Kurzgeschichten ab Anfang der 1990er, erster Kriminalroman 1998 – davor Wissenschaftliches und journalistische Arbeiten.

Aktuelle Veröffentlichung: “Ansverus’ Fluch” (Leda, April 2016), ein hart gesottener Heimatroman, der die kulturgeschichtlichen Wurzeln der Region aufs Korn nimmt. Die Handlung reicht von der Gegenwart bis tief in die Vergangenheit, in die Ära, als jenseits des Limes saxoniae noch Slawen lebten, denen die nachrückenden, frisch getauften Sachsen Land und Glauben streitig machten. Der Thriller rückt das beschauliche Ratzeburg ins Zentrum und verbindet abgründige Historie mit Dramen im Hier und Jetzt. Religion ging und geht eben immer wieder über Leichen.

Die offizielle Weltpremiere findet am 4. Juni im Theater im Stall statt, kongenial von Rolf Bader an der Gitarre eingerahmt. Beginn: 20:00 Uhr – Eintritt: 9,00 € – erm. 7,00 € (Theater im Stall Alter Gutshof 8 23883 Horst)

Im Spiegellabyrinth” (Hallenberger Media, Dezember 2015) skizziert die Nachwehen gestriger Wirklichkeit, die Narben und Erinnerungen, die Menschen prägen. Egal ob in Hamburg, New York oder Tel Aviv. In 18 Erzählungen umkreist der Roman die Echos des Krieges, berichtet über Vertreibung und Exil, Ringen von Vater und Sohn um Verstehen der Vergangenheit und das Scheitern einer Liebe, die zwischen Schuld, Sühne und der Sehnsucht nach Normalität strandet. Es ist die subjektive Chronik einer westdeutschen Nachkriegsjugend, eine Collage, die Erinnertes und Erlebtes zu einem Prisma verschiedener Ebenen und Erzählstränge verwebt. Dabei geht es traurig, amüsant, grotesk und nur selten nostalgisch zu.

Keine ganz leichte Kost, aber nahrhaft.

Veröffentlichte Bücher: “Als letztes starb die Hoffnung – Berichte von Überelebenden aus dem KZ-Neuengamme” (Rasch und Röhring, 1989), “Bangkok ist selten kühl” (1998 – vergriffen, inzwischen als E-Book bei Hallenberger), “Fette Herzen” (Emons, 2006), “Kein Tag für Helden (Emons, 2008), “Strahlende Zukunft (Emons, 2009), “Dunkle Schatten” (2012, Pendragon), “Les Morts renaitrons un Jour” (Piranha, 2015), “im Spiegellabyrinth” (Hallenberger Media, 2015), “Ansverus’ Fluch” (Leda, 2016) – sowie diverse Kurzgeschichten in verschiedensten Anthologien…

Kontakt: (E-Mail, Web, Facebook)

christoph.ernst@gmx.eu

www.blutiger-ernst.com

Gesichtsbuch unter meinem Namen
 
 
Das gibt Dir Inspiration: 

Geist, Liebe und Witz, Gespräche, Geschichten, die das Leben schreibt, alte Film-Noirs und neuere Neo-Noirs, die Landschaft meiner Wahlheimat, Szenen aus der Erinnerung, gelegentlich auch ein Sechs.Zylinder-Fachkopf-Aggregat, verbaut in rollendem Alteisen. Ansonsten: Bücher, Bilder, Musik – das Übliche eben. Da gibt es so viele Helden, dass ich sie hier nicht aufzählen kann. Zu den älteren gehören Epiktet und Giordano Bruno – bei den Jüngeren fallen spontan Jonathan Safran Foer und Boualem Sansal ein. Mein letztes Buch ist Farag Foda und Edward Snowden gewidmet. Aber ohne Mark Twain, Ambrose Bierce, Charles Bukowski und Kurt Vonnegut Jr. wäre ich auch nicht der, der ich bin. Doch das gilt genauso für Michail Bulgakow, Astrid Lindgren, Carson McCullers, Erich Kästner oder Bob Dylan.
 

Beschreibe kurz Deinen Schreibstil: 

Lakonisch.
 

Dein liebster Platz/Ort zum Schreiben? 

Vor einem Fenster mit Blick.
 

Nenne 3 Gegenstände, die während des Schreibens nicht fehlen dürfen: 

Gift, Brille und Kaffee
 

Beschreibe eine Szene in Deinen Büchern, die Dir wirklich so passiert ist: 

Der Medikamentetransport in den Südsudan im Frühjahr 1979. Die Flucht vor Haien im Golf von Aquaba. Die Begegnung mit einem Doors-verliebten Vietnam-Veteranen am Strand von Byron Bay in New South Wales. Es fließt viel Autobiografisches in meine Texte ein. Wenn es gut ist, passt und keinem weh tut, wozu lügen?
 

Was Du den Krimiwoche-Teilnehmern noch sagen möchtest: 

Lest Leif Tewes’ Buch (Anm. d. Red. “Tag Null”, ISBN: 978-3958486027). Der Roman hat mir ausgezeichnet gefallen. Da spricht eine neue Stimme, ein beeindruckender Autor, der neben der landläufigen deutschen Krimispur läuft, der das Genre erweitert, Verschüttetes wiederentdeckt und zeitgemäß auf den Punkt bringt. Streckenweise so garstig, wie es sich sonst nur noch die Österreicher trauen. Brillant. Tewes liest sich “inspirierend” – klug, ironisch, geistreich und witzig. Davon läse ich gern mehr.

 

Ansverus-Fluch von Christoph Ernst

 

 

“Ansverus-Fluch”

Der neue Kriminalroman von Christoph Ernst ist online und im Handel unter der ISBN 978-3864120930 erhältlich.

 

 

 

 

 

Autorenfoto: Tony Tonagel

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