Von Vielfalt, Raum und guten Geschichten: Die Krimiwoche als virtuelles Festival

Ein Beitrag von Leif Tewes

Was macht ein “Festival” aus? Was ist an unserer “ersten Facebook Krimiwoche” anders, und warum ist es dennoch ein Festival?

Als ich die Tage ein Jazz-Festival besuchte, sind mir diese Gedanken durch den Kopf gegangen (neben vielem anderen), und ich konnte tatsächlich einige Analogien feststellen. Da ist zuerst die Vielfalt: Ein paar große Namen neben Newcomern, Experimentalisten neben Mainstream (wenn ich das etwas negativ angehauchte Wort hier im positiven Sinne verwenden darf), Kopf-Musik neben Bauch-Musik (für Musik für die Füße finde ich gerade keine Analogie zur Literatur). Eine solche Vielfalt wollen wir auch mit der Krimiwoche abbilden: Bestseller neben unbekannten Debütanten mit abzählbaren Verkaufszahlen, Self-Publisher neben Verlagsgrößen, Szenenkenner und Quereinsteiger, Regio-Krimis nach Psychothriller, humoristisch und Noir. (Ach: Jung und Alt hab ich noch vergessen, aber das sollte eh egal sein). Keine Konzentration auf einen bestimmten Aspekt, wie ihn einige regionale Literaturfestivals festlegen, sondern eben das, was Spannungsliteratur allgemein ausmacht: Vielfalt.

Vielfalt abbilden - nicht nur in der Musik, auch in der Literatur Click To Tweet

Wie auf dem Jazz-Festival hat jeder Stil sein Publikum, das aber in freudiger Bestätigung des Erwarteten dann auch mal in kleine Säle geht, um zu hören, was es noch so gibt. “open minded”, wie es heißt, neugierig, mit der Freude an Neuentdeckungen hört und sieht man Bands und Stile, für die man sich im Alltag wenig interessiert, weil das Vertraute ja schon hinreichend Vergnügen bereitet. Und auch dies soll unsere Krimiwoche bieten: Mal reinhören in Geschichten, Themen und Stile, für die man sich bislang nicht entscheiden konnte, im Vertrauen auf den Qualitätsanspruch unserer Auswahl. “Lass dich überraschen” (bitte dazu den holländischen Dialekt von Rudi Carrell dazu denken), die Gelegenheit nutzen, eine Vielfalt zu erhören, die es so nicht oft gibt.

Sei dabei beim ersten virtuellen Festival für Krimi- und Thriller-Fans, der Krimiwoche 2016! Click To Tweet

Warum, fragt sich mancher in vollbesetzten Musikhallen, wollen die Zuhörer auch immer sehen, woher die Musik kommt? Stellen sich auf Zehenspitzen, kämpfen um vordere Plätze? Geht es denn nicht nur um die Musik? Nein, denn auch das ist Festival: Wir wollen die Menschen sehen, wie sie ihre Musik machen. Der Spaß in den Augen und die Kraft in ihren Bewegungen, ihre Konzentration beim Solo: wir wollen erahnen, wer der Mensch hinter dieser Produktion ist. Der Künstler präsentiert sein Werk, und erst in der Präsentation wird es wirklich greifbar: Die Idee, die Energie, die Leidenschaft, die den Künstler dazu bringt (oder auch zwingt), ein Werk zu schaffen um es zu präsentieren. Es ist ein Märchen, dass der Schriftsteller “nur für sich selbst schreibt”, nein, er schreibt für seine Leser. Um Zuhörern ein Erlebnis zu verschaffen, von dem der Autor überzeugt ist, dass es die Menschen (in welcher Form auch immer) berührt.  So wie Musiker wollen wir Schriftsteller von uns erzählen, wie wir die Welt sehen, was wir im berühmten stillen Kämmerlein an den nicht weniger berühmten geheimen Wünschen ausformulieren, um eine Welt zu bauen, an der unsere Zuhörer teilhaben sollen.
Und auch das wollen wir mit der Krimiwoche und den Live-Lesungen zeigen: Die Menschen hinter den Geschichten, die Köpfe, die sich das alles ausdenken. Es wird nach den Lesungen klassische Fragerunden geben, nur im Unterschied zu typischen Publikumslesungen hoffen wir darauf, dass in der Anonymität des Chats sich mehr Zuhörer trauen, Fragen zu stellen. Fragt, was immer ihr wissen wollt, alles, was ihr nicht verstanden habt, und sprecht darüber, wie ihr etwas verstanden habt. Dieses Feedback ist uns Autoren wichtig!

Das erste virtuelle Festival: Die Grenzen von Raum und Zeit aufheben Click To Tweet

Mit dem ersten virtuellen Krimifestival wollen wir auch eine Beschränkung klassischer Lesungen und Festivals aufheben: Die Grenze des Raumes. Als erfahrener Jazz-Festivalbesucher kenne ich mittlerweile in vielen Groß-und Kleinstädten die zentral gelegenen Hotels, die Laufwege zu den Veranstaltungsräumen, die guten Kneipen, aber dennoch ist es eben der Raum, der zu überwinden ist. Im Internet gibt es diese Dimension nicht, wir erwarten Zuhörer aus der ganzen Welt. Lehnt euch zurück, macht es euch gemütlich, esst und trinkt während der Lesung, knabbert und schlürft, es wird ein modernes Lagerfeuer. Passt nur auf die Bandbreite eures Internetanschlusses auf…

Freut euch auf dieses Festival, loggt euch ein, fragt, meckert, lobt, denn wir machen das alles nur aus einem Grund: Für EUCH! Unsere Leser, unsere baldigen Leser, für alle, die in erzählten Geschichten irgendeinen Teil ihrer eigenen Geschichte wiederfinden.

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